Flugzeugbau in Oberpfaffenhofen

Die Flugzeuge der Marke Dornier war einst das Aushängeschild des deutschen Flugzeugbaus Oberpfaffenhofen mit rund 10.000 Mitarbeitern auf dem Höhepunkt der Geschichte zu Beginn der 1980er Jahre.

Dornier in Oberpfaffenhofen

Claude Dornier war einst ein Pionier unter den Flugzeugbauern. 1929 baute er mit der Dornier Do. X das größte Flugboot der Welt und ging damit in die Luftfahrtgeschichte ein. Claude Dornier und sein Sohn Claudius Dornier waren es, die nach dem 2. Weltkrieg am Wiederaufbau der zivilen Luftfahrtindustrie in Deutschland maßgeblich beteiligt waren und Dornier zu neuer Größe aufbauten. Das bayerische Oberpfaffenhofen war einer der zentralen Standorte. Selbst nachdem sich Claude Dornier 1962 aus der Unternehmsführung zurückzog und die volle Verantwortung für den Dornier Konzern an seinen Sohn Claudius übergab, konnte sich der Konzern kräftig weiter entwickeln. Auch nach dem Tod von Claude Dornier 1969 gelang es Claudius noch einige Jahre, den Konzern trotz der beginnenden Auseinandersetzungen zwischen den Erben von Claude Dornier erfolgreich weiter zu führen, bis zum Höhepunkt der Querelen zu Beginn der 1980er Jahre.

In dieser Phase trat einer gewisser Edzard Reuter auf`s Parkett, damals Vorstand des Stuttgarter Daimler Benz Konzern, der die Vision hatte, aus dem Stuttgarter Automobilunternehmen einen Technologiekonzern zu formen. Im Nachhinein könnte man es auch als Größenwahn bezeichnen.

Reuter verhandelte mit den Dorniers und erwarb 1985 für 440 Millionen Mark die Mehrheit am Dornier Konzern. Den Deal hatte der damalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg Lothar Späth initiiert.  Da die Dornier-Erben Silvius Dornier und Claudius Dornier jedoch weiterhin mit ca. 30% beteiligt waren, konnten sie wichtige Entscheidungen zur Umgestaltung des Dornier-Konzern blockieren, was sie zunächst auch taten. Den Verzicht auf Widerspruchsmöglichkeiten ließ sich die Familie Dornier nochmals fürstlich entlohnen, steuerfrei versteht sich, da Martine Dornier-Tiefenthaler in diesem Punkt clever verhandelt hatte. Erst dann war für Daimler Benz der Weg frei, den gewachsenen Dornier Konzern in mehrere Gesellschaften aufzuteilen, darunter

  • Dornier GmbH mit Verteidigungstechnik, Elektronik, zentrale Dienste und Logistik,
  • Dornier Luftfahrt GmbH (Flugzeugbau),
  • Dornier Satelliten Systeme (Raumfahrt),
  • Dornier Medizintechnik (Nierenlithotripter) und
  • Dornier Consulting GmbH (Planungsberatung).

Während dieser Zeit bis 1998 wurde die Dornier 228 (Do 228) noch im bayerischen Oberpfaffenhofen gebaut, ein zweimotoriges STOL-Turbopropflugzeug.

Angetrieben von dem Wahn zur Entwicklung eines globalen Technologiekonzern erwarb Daimler Benz unter der Leitung von Edzard Reuter auch den Dornier Konkurrenten MBB sowie die Telefunken AG in Ulm und führte alle unter dem Dach der DASA zusammen. Dem noch nicht genug, auch das damals bereits angeschlagene holländische Flugzeugbauunternehmen Fokker wurde aufgekauft. Ziel war letztendlich die Errichtung einer europäischen Sparte „Regionalflugzeugbau“. Viele der von Dornier entwickelten Geschäftsfelder befinden sich heute unter dem Konglomerat EADS, das aus der DASA und der europäischen Luftfahrt-, Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie hervorgegangen ist.

Nachdem sich das holländische Flugzeugbauunternehmer Fokker als „Fass ohne Boden“ entpuppte und die Vision „Europäischer Regionalflugzeugbau“ nicht mehr Erfolg versprechend war, gab es auch für die Sparte Dornier Flugzeugbau keinen Platz mehr und wurde 1996 an Fairchild Aviation verkauft. Infolge der Anschläge in New York 2001 musste jedoch auch Fairchild Dornier 2002 Insolvenz beantragen. Das war dann auch das Ende der letzten Überreste einer längst vergangenen Epoche deutschen Flugzeugbaus in Bayern. Nur dem Schweizer RUAG Konzern gelang es, die übernommenen Betriebsbereiche Flugzeugwartung (RUAG Aerospace Services GmbH) sowie Airbus-Komponentenfertigung (RUAG Aerospace Structures GmbH) erfolgreich weiterzuführen.

Nun ist es dieser Bereich der RUAG Aerospace am Standort Oberpfaffenhofen, der dort seit 2007 wieder Flugzeugbau betreibt. Im Oktober 2007 beschloss der Verwaltungsrat der RUAG die Wiederaufnahme der Produktion der Do 228 unter dem Namen Do 228 NG (New Generation). Das Flugzeug wird aktuell als 19-Sitzer gebaut und mit modernster Avionik, einem Glascockpit sowie einem neuen Fünf-Blatt-Propeller ausgerüstet. Im November 2009 hat RUAG Aerospace erstmals die Do 228 NG „Dornier 228 Neue Generation“ der Öffentlichkeit vorgestellt.

Rumpf, Flügel und Leitwerk werden von der indischen Hindustan Aeronautics Limited (HAL) in Kanpur gefertigt und dann nach Oberpfaffenhofen transportiert. Dort wird die Endmontage und Ausrüstung durchgeführt. Besondere Eigenschaften der Do 228 NG sind ihre Kurzstartfähigkeit, die hohe Nutzlast und Reichweite sowie die Möglichkeiten, auf unbefestigten Pisten zu starten und zu landen. Die DO 228 NG wird vor allem bei der Küsten-, Umwelt- oder Grenzüberwachung eingesetzt.

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