Der Marienplatz in München

Der Marienplatz in München gehört mit dem Neuen Rathaus und den anderen Sehenswürdigkeiten rundherum zu den schönsten Plätzen der Welt mit einer bewegten Geschichte, die mehr als 850 Jahre zurückreicht.

Gründung der Landeshauptstadt München

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Die Geburtsstunde der Landeshauptstadt München beginnt mit dem Untergang von Föhring, als Herzog Heinrich der Löwe in 1157 mit wenigen Reitern die Brücke bei den Föhringer Isarauen einnahm und kurzerhand zerstörte. Bis dahin lief der ertragbringende Salzhandel mit Markt- und Zollrecht über diese Brücke auf dem Gebiet des Bischofs Otto von Freising. Es war ausgemachtes Ziel von Heinrich, den einträglichen Salzhandel an sich zu reißen. Es folgte zwar 1158 eine Anklage seitens Otto auf dem Reichstag zu Augsburg, über die der damalige Kaiser Friedrich Barbarossa entscheiden musste. Mit dem Augsburger Schied folgte am 14. Juni 1158 jedoch ein sehr weitsichtiges Urteil, wonach der Salzhandel mit der Zollbrücke und der Münze zukünftig auf Munichen (das spätere München) übertragen wird, wobei als Ausgleich ein Drittel des Einkommens aus dem Marktzoll an Freising entrichtet werden muss. Mit dieser Entscheidung war die heutige Stadt München gegründet und so erklärt sich auch der 850. Geburtstag in 2008. Eine der wichtigsten Handelstrassen in Süddeutschland lief fortan durch München, das zur damaligen Zeit nur ein notdürftig gesichertes Örtchen an der Isar war. Heute befindet sich auf etwa gleicher Linie die Kaufinger Strasse, die vom Karlstor bis zum Schrannenplatz verlief, dem heutigen Marienplatz.

Verleihung der Marktfreiheit auf dem Marienplatz

muenchen-marienplatz-fischbrunnenDoch schon 1180 stürzte Heinrich der Löwe auf Veranlassung von Friedrich Barbarossa, weil er ihn 1176 auf seinem Italienfeldzug gegen den Pabst im Stich gelassen hatte, was jedoch auf die weitere Entwicklung der Stadt München nur geringen Einfluss hatte. Das Herzogtum Bayern ging an die Wittelsbacher, namentlich an Otto von Wittelsbach. Auf dem heutigen Marienplatz entwickelte sich zunehmend ein Markt und 1315 verlieh Kaiser Ludwig der Bayer München die Marktfreiheit, jedoch verbunden mit der Auflage, dass der Marienplatz “auf ewige Zeiten” hin unbebaut bleibt. Der heutige Fischbrunnen vor dem Neuen Rathaus erinnert noch an den Fischmarkt, der sich in diesem Teil auf dem Marienplatz befand. Heute ist der Fischbrunnen auf dem Marienplatz beliebter Treffpunkt im Herzen von München, da er direkt am Ausgang der Münchner S- und U-Bahn sehr verkehrsgünstig liegt.

Die Mariensäule auf dem Marienplatz

Ein weiteres markantes und geschichtsträchtiges Denkmal auf dem Marienplatz stellt die Mariensäule dar, die auf Veranlassung des Herzog Maximilian I 1638 dort errichtet wurde. Maximilian I hatte zu Beginn des 30- jährigen Krieges gelobt, dass er für die heilige Maria als Patrona Bavariae eine Votivsäule errichten würde, wenn die beiden bayerischen Städte München und Landshut unbeschadet den Krieg überstehen würden. 1609 führte Maximilian I die Katholische Liga an, die sich im 30- jährigen Krieg gegen die Union der protestantischen Reichsfürsten stellte. Nach ersten Siegen seines Feldherrn Tilly verschoben sich die kriegerischen Auseinandersetzungen nach Norden, wo Tilly bei Rain am Lech auf die Truppen des schwedischen Königs Gustav Adolf traf, dessen Feuerkraft er jedoch nicht viel entgegen halten konnte und in der Schlacht auch fiel. Die Truppen von Gustav Adolf marschierten darauf weiter gen Süden in Richtung München. Zunächst ließ sich Gustav Adolf mit seinen Truppen in Freising nieder und empfing dort eine Delegation aus München. Es wurde um das Schicksal von München verhandelt und Gustav Adolf forderte 400.000 Reichstaler, anderenfalls München verwüstet werden sollte.

Am 17. Mai 1632 zieht Gustav Adolf in die Münchner Residenz ein und fand wohl Gefallen an der Stadt, während seine Truppen außerhalb der Stadtmauern von München lagerten. Am 7. Juni 1632 zog Gustav Adolf jedoch überraschend wieder ab, obwohl die Münchner bis dahin nur rund ein Drittel der Forderung erfüllt hatten. Es blieb ihm aber nichts anderes übrig, weil die mit Bayern und mit Maximilian I verbündeten kaiserlichen Truppen unter Wallenstein wieder erstarkt waren und die protestantischen Truppen angriffen. Für die noch ausstehende Summe musste München insgesamt 44 Geiseln stellen, die darauf hin nach Augsburg verbracht wurden, wo sie gegen Zahlung der restlichen 100.000 Reichstaler ausgelöst werden sollten. Es gelang den Bürgern von München jedoch nicht, diese Summe aufzubringen und die Geiseln blickten einer unheilvollen Zukunft entgegen. Am 6. September 1634 besiegten die verbündeten kaiserlichen Truppen das Heer der Schweden bei Nördlingen und befreiten im März 1635 nach Belagerung der Stadt Augsburg auch die von München gestellten Geiseln. Unmittelbar nach seiner Rückkehr nach München begann Maximilian I mit der Planung und Errichtung der Mariensäule auf dem Marienplatz, welche schließlich 1638 errichtet und gesegnet wurde.

Folgende Inschrift auf der Mariensäule erinnert an diese Geschehnisse:

“Dem allergütigsten großen Gott, der jungfräulichen Gottesgebärerin, der gnädigen Herrin und hochmögenden Schutzfrau Bayerns hat wegen Erhaltung der Heimat, der Städte, des Heeres, seiner selbst, seines Hauses und seiner Hoffnungen dieses bleibende Denkmal für die Nachkommen dankbar und demütig errichtet Maximilian, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Ober- und Niederbayern, des heiligen Römischen Reiches Erztruchseß und Kurfürst, unter ihren Dienern der letzte, im Jahr 1638.”

Schrannenplatz wird Marienplatz

Erst nachdem der Getreidemarkt 1853 zur Schrannenhalle an der Blumenstraße verlegt wurde, erhielt der bis dahin als Schrannenplatz genannte Marktplatz am 9. Oktober 1854 seinen heutigen Namen “Marienplatz”. Damit wollte der Magistrat die Stadt München der Patrona Bavariae anvertrauen und so die Stadt vor einer im Juli 1854 ausgebrochenen Cholera-Epidemie retten. Eine der letzten entscheidenden Veränderungen erlebte der Marienplatz dann durch den Bau der Fußgängerzone, die 1972 abgeschlossen war und der Marienplatz dadurch verkehrsfrei wurde. Seitdem können die Münchner den Marienplatz wieder ungestört vom Verkehr in seiner vollen Pracht genießen.

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