Haberfeldtreiben

Das Haberfeldtreiben ist ein alter Brauch aus Oberbayern, der vor allem in den Landkreisen Miesbach und Rosenheim sowie in der Gegend rund um den Tegernsee ausgeübt wurde.

Haberfeldtreiben in Bayern

haberfeldtreiben-1895Ein Haberfeldtreiben lief regelmäßig nach dem Muster ab, daß sich die Teilnehmer an einem verabredeten Sammelplatz trafen und dort zunächst den Habereid schworen. Dabei versammelten sich die Haberer meist vermummt oder mit geschwärzten Gesichtern auf Wiesen oder Hügeln in Hörweite der Betroffenen. Anschließend ging es gemeinsam zum Treibplatz, wo die Rügeopfer und andere Einwohner des Dorfs mit ordentlichem Lärm geweckt wurden. Im Hauptteil des Treibens wurden die Rügeverse verlesen, meist unter kräftigem Beifall der anderen Teilnehmer. Da die Haberer mit Repressialen der Betroffenen und der Polizei rechnen mussten, fanden die Haberfeldtreiben nie innerhalb einer Ortschaft statt. Während früher vor allem Reiche und unverheiratete schwangere Frauen Ziel eines Haberfeldtreibens waren, richten sich moderne Haberfeldtreiben mehr gegen Regierungen und/oder einzelne Politiker. Heute stehen auch eher politische- und wirtschaftliche Fehlentwicklungen im Vordergrund.

Modernes Haberfeldtreiben in München

Ein exemplarisches Haberfeldtreiben im Jahre 2009 wurde von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. (AbL) ins Leben gerufen. Rund 600 schwarz gekleidete Teilnehmer hatten sich am Odeonsplatz versammelt, dort den Habereid geschworen und anschließend die Münchner Staatskanzlei ins Visier genommen, um dort eine Politik für nachhaltiges Wirtschaften im Sinne einer sozial- und umweltverträglichen Landwirtschaft sowie für entsprechende Rahmenbedingungen zu fordern. Dieses Haberfeldtreiben unter der Leitung des Haberermeisters Anton Prechtl richtete sich vor allem gegen die CSU und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft in Bayern. Ein weiteres Haberfeldtreiben gab es 2008, als etwa 2000 Milchbauern in der Gemeinde Ruhstorf an der Rott ihren Protest gegen die Politik des Deutschen Bauernverbandes deutlich machten. Auch dort ging es in erster Linie um einen politischen Anlaß, wo sich das Haberfeldtreiben gegen Gerd Sonnleitner als Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes richtete. Seitdem sind jedoch keine weiteren “politisch animierten” Haberfeldtreiben bekannt geworden.

Bildnachweise:

Historisches Haberfeldtreiben 1895 von Oskar Gräf (Public domain) via Wikimedia Commons

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