Was man über Dirndl wissen sollte

Mit dem Oktoberfest in München rücken Dirndl und Trachtenmode im Allgemeinen wieder in den Focus der Öffentlichkeit und der Run auf die Trachten- und Dirndl Shops nimmt abenteuerliche Züge an. 

Dirndl und Trachten ist einer der wenigen Segmente im Bereich Damenmode, der in den vergangenen Jahren ein atemberaubendes Wachstum vorlegen konnte. Heutzutage ist es geradezu Pflicht und Beweis guten Geschmacks, eines der vielen bayerischen Volksfeste im Dirndl oder in Tracht zu besuchen. Es macht den Menschen in Bayern wieder Spaß, sich für das Volksfest herauszuputzen und die Maß Festbier im Dirndl oder fesch in der Lederhose zu genießen. Ohne Zweifel hat das Oktoberfest in München hierfür den Grundstein gelegt und Dirndl bzw. Tracht wieder salonfähig gemacht. Jeans und T-Shirts sind auf dem Volksfest nicht mehr gern gesehen und zeugen von Unkenntnis oder schlicht von Arroganz gegenüber der bayerischen Kultur und Tradition. Gerade den Damen und Madl macht es Spaß und Freude, ihr neu gekauftes Dirndl den Freundinnen und Herrschaften im Festzelt zu zeigen, das mehr ist als nur ein Kleidungsstück. Es ist ein Stück Verbundenheit mit der Heimat, Zugehörigkeit zur Gruppe und herrlich anzuschauen. Trotzdem sollte man einige grundlegenden Fakten und Regeln zum Dirndl kennen, die trotz aller Freiheit von Mode und Kreativität nach wie vor bestehen und von Andrea Mojescick-Plieschnegger, Designerin bei der Krüger-Dirndl GmbH, anschaulich erklärt werden.

Krüger Dirndl

© 2011 Krüger Dirndl

Der Ursprung der heutigen Dirndl ist im 18. Jahrhundert zu finden, als das Dirndl noch Arbeitskleidung der Dienstboten reicher und nobler Herrschaften und Adelsfamilien war. Erst ab etwa 1870 konnte sich das Dirndl als normales Kleidungsstück außerhalb des Haushalts etablieren, aber nach wie vor mit einem Touch von Arbeitskleidung der Mägde und Hausangestellten. So dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis sich das Dirndl in Bayern und in den bayerischen Alpen als normales Kleidungsstück zu festlichen Anlässen durchsetzen konnte, beispielsweise zum Volksfest oder zum kirchlichen Feiertag. Es ist noch nicht allzu lange her, dass man als Frau oder Mädel im Dirndl auch auf dem Oktoberfest exotisch gekleidet war. Diese Zeiten sind jedoch zum Glück vorbei. Stattdessen diskutieren wir inzwischen über die neuesten Modetrends in Sachen Dirndl und Tracht und wo man die besten oder günstigsten Dirndl und Lederhosen kaufen kann.

In Tracht auf dem OktoberfestWährend das klassische Dirndl von früher den Status der Trägerin und die Herkunft aus einer bestimmten Region offenbarte, geht es diesbezüglich heute deutlich lockerer zu und Farben und Schnitte orientieren sich mehr denn je am Geschmack und Bedürfnis der Frauen. Namen wie Krüger Dirndl, Angermaier, Lola Paltinger oder Stockerpoint machen Trends und basteln schon an den neusten Schnitten und Modellen. An den wesentlichen Merkmalen eines Dirndls hat sich jedoch nichts geändert: So besteht das Dirndl nach wie vor aus einem in Falten gelegten Rock und einem meist angenähten Oberteil, dem Mieder. Darunter wird eine spezielle Dirndlbluse getragen, die unter der Brust endet und mit einem Gummiband versehen ist. Ferner gehört zu jedem Dirndl eine Schürze, die immer einige Finger breit oberhalb des Rocksaums enden muss. Blickfang und wesentliches Teil des Dirndls ist und bleibt das Dekolleté, um das „Holz vor der Hüttn“ in bestem Licht zu präsentieren. Um den bestmöglichen Push-Up Effeekt zu garantieren, finden sich in manchen Oberteilen sogar noch die früher üblichen, korsage-ähnlichen Stäbchen zur Verstärkung. Auch die Borte erfüllt genau diesen Zweck, nicht zu vergessen der Miederlatz – die Vorderseite – die meist mit filigranen Stickereien und der typischen Miederschnürung (dem „Gschnür“) versehen ist.

Ein richtig geschnürtes Dirndl spricht zu den Männern im Festzelt und verrät mit einem Blick die Gesinnung der Frauen und Madl, wenn es man es versteht, die Zeichen richtig zu deuten. Ist die Schürzenschleife vorne rechts gebunden, ist die Trägerin bereits vergeben. Allzu heftiges Flirten kann hier schon mal mit einer Watschn honoriert werden. Sitzt die Schleife dagegen links, ist das Flirten und das Werben der Herrschaften ausdrücklich willkommen. Sitzt die Schleife hinten, ist die Trägerin verwitwet und eine Schleife vorne in der Mitte ist ein Hinweis auf eine Jungfrau.

Deutlich freier ist die Farbwahl und die Kombination, wo es inzwischen keine Grenzen mehr gibt. Fast könnte man meinen, je bunter desto besser. Ein schwarzes Dirndl mit weißer Bluse ist jedoch nach wie vor unüblich, da dies früher die Farben der Bedienung in Wirtshäusern waren. Auch in Sachen Schuhe und Strümpfe hat sich vieles entspannt.: Beinahe alles ist erlaubt: Highheels, wie zum Beispiel die eleganten Pumps von Via Uno, passen zu jedem Dirndle. Auch getragen werden können

Trachtensneaker, Trachten-Chucks oder gar Flip-Flops, mit traditionellen oder knallbunten Strümpfen.

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