Schrannenhalle München

Mit gutem Vorsatz ist man beim Wiederaufbau der Schrannenhalle an historischer Lage gestartet. Kultur, Handwerk, Kunst und Gastronomie war gewollt, aber viele guten Vorsätze mussten im Laufe der Zeit über Bord geworden werden.

Wiederaufbau der Schrannenhalle in München

Anfang September 2005 öffnete die Schrannenhalle an historischer Stätte in München wieder ihre Pforten, wo sie in den Jahren 1851 bis 1853 von Karl Muffat als Getreidehalle ursprünglich errichtet wurde. Wie der Name schon sagt, handelte sich bei der Schrannenhalle ursprünglich um eine Getreidehalle, die am Rande des Viktualienmarkts erbaut wurde. Damals war die Konstruktion der Schrannenhalle aus Glas und Eisen eine architektonische Pionierleistung in München, die notwendig geworden war, weil der bis dahin als Getreidemarkt genutzte Marienplatz zu klein geraten war.

Die Lobeshymnen auf die damalige Schrannenhalle gingen jedoch schnell und zunehmend in Kritik über, da den Händlern die Entfernung zum Hauptbahnhof zu weit war. Darüber hinaus nahm der Getreidehandel zum Ende des 19. Jahrhunderts spürbar ab, so dass die beste Zeit der Schrannenhalle schon nach wenigen Jahren ihrer Errichtung wieder vorbei war. Nachdem sich der Getreidehandel 1912 in die neue Großmarkthalle am Südbahnhof verschob, wurde die Schrannenhalle zwischen 1914 und 1927 schon wieder demontiert und teilweise abgetragen. Zu allem Unglück brannte der verbliebene Teil der Schrannenhalle 1932 aus.

Dabei wäre es sicherlich auch geblieben, wenn nicht der Architekt und Stadthistoriker Volker Hütsch 1978 ein 110 Meter langes Teilstück der demontierten Schrannenhalle bei den Stadtwerken München entdeckt hätte. Und aufgrund der gutachterlich bestätigten Machbarkeit eines Wiederaufbau der Schrannenhalle an historischer Stätte ergab sich für den Stadtrat München sozusagen eine “historische Pflicht”, die Schrannenhalle mit dem entdeckten Teilstück wieder aufzubauen. Die Nutzung des Grundstücks als Parkplatz für die Besucher des Viktualienmarks war ja auch nicht wirklich eine dauerhafte Alternative, insbesondere angesichts der durchaus gelungenen Entwicklung und Gestaltung des St. Jakobs Platz.

34 Millionen hat der Wiederaufbau der Schrannenhalle gekostet, finanziert zu einem großen Teil aus Steuereinnahmen der Stadt München. Im Gegenzug ließ sich der Stadtrat zusichern, dass neben Gastronomie und kommerziellen Veranstaltungen auch eine kulturelle Nutzung der Schrannenhalle dauerhaft gewährleistet ist.

Schrannenhalle und Zwangsverwaltung

Im Jahre 2008 folgte schon wieder der wirtschaftliche Absturz, als die Schrannenhalle unter Zwangsverwaltung gestellt wurde. Das Durcheinander der Verantwortlichen und der gegenseitigen Vorwürfe, Unterstellungen und Richtigstellungen blieb bis zuletzt undurchsichtig. Eines gilt jedoch als sicher, dass das ursprünglich angedachte Konzept der Dreiteilung der Schrannenhalle in Kultur, Handwerk und Gastronomie von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Wer so ein Projekt an exponierter Lage und mit einer solchen gewaltigen Investitionssumme auf die Beine stellen und auch dauerhaft unterhalten will, ist auf ordentliche und stetige Einnahmen angewiesen.

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