Ruhmeshalle und Bavaria

Ruhmeshalle und Bavaria bilden eine architektonische und künstlerische Einheit am südlichen Ende der Theresienwiese und gehören nicht nur während des Oktoberfests zu den beliebtesten Motiven und Sehenswürdigkeiten von München.

Ensemble Ruhmeshalle und Bavaria

BavariaDie Ruhmeshalle und die Bavaria bilden auf der Theresienhöhe ein Ensemble im Stil der alten Akropolis in Athen, das im Auftrag von König Ludwig I dort errichtet wurde. Gemeinsam mit seinem Baumeister Leo von Klenze prägte König Ludwig I das Stadtbild von München wie kaum ein zweiter. Er war ein Freund der Klöster und des akademischen Geistes und beschäftigte sich selbst mit Malerei und Dichtung. Als Kronprinz Ludwig nach dem Tod seines Vaters 1825 den Königsthron von Bayern übernahm, träumte er bereits von seinem „Isar-Athen“ mit monumentalen Plätzen und Bauten. Während seine Kindheit und Jugend von der französischen Revolution und den nachfolgenden Napoleon-Kriegen beeinflusst wurde, sehnte er sich als Kronprinz nach einem „Baiern aller Stämme“ und einer „größeren deutschen Nation“. In dieser Phase plante Ludwig ein patriotisches Denkmal in der Residenzstadt München und ließ sich hierfür schon 1809 von dem Historiker Lorenz Westenrieder ein Verzeichnis berühmter bayerischer Vertreter aller Stände und Berufe anfertigen. Ca. 20 Jahre später wurde diese Liste in seinem Auftrag von seinem Innenminister Eduard von Schenk – inzwischen war Ludwig König von Bayern – erneuert und ergänzt. Zu der Ausschreibung für eine Ruhmeshalle oberhalb der Theresienwiese mit Platz für 200 Büsten lud König Ludwig I die damals besten und namhaftesten Baumeister ein:

  • Friedrich von Gärtner,
  • Leo von Klenze,
  • Joseph Daniel Ohlmüller und
  • Georg Friedrich Ziebland.

Als damaliger Hofbaumeister des Königs hatte Leo von Klenze entscheidende Vorteile, da er zum einen die Wünsche seines Auftraggebers bestens kannte und darüber hinaus auch die Entwürfe seiner Konkurrenten ausführlich begutachten konnte. Daher ist es nicht überraschend, dass von Klenze`s Entwurf der Ruhmeshalle im März 1834 den Zuschlag erhielt. Er plante die Ruhmeshalle mit einer dorischen Säulenhalle im Hintergrund und einer Kolossalstatue im Vordergrund.

Die Errichtung der Ruhmeshalle

Die Errichtung der Ruhmeshalle erfolgte in den Jahren von 1843 bis 1853 tatsächlich nach seinem Entwurf. Nach Fertigstellung der Ruhmeshalle wurden 1853 die Büsten von 74 besonders ehrenswerten Bayern aufgestellt, 1868 kamen weitere 10 hinzu. Die Büste von König Ludwig I wurde erst 1888 anlässlich seines 100. Geburtstags in der Ruhmeshalle aufgestellt und mit folgender Inschrift ergänzt:

„König Ludwig I zur Feier seines 100. Geburtstages das dankbare München.“

Die Ruhmeshalle selbst ist 68 Meter breit, 32 Meter und steht auf einem 4,3 Meter hohen Sockel. Das Dach wird von der Rückwand und 48 dorischen Säulen getragen, die eine Höhe von rund 7 Meter und einen Durchmesser von 1,25 Meter haben.

Nachdem die Ruhmeshalle und die darin aufgestellten Büsten 1944 während eines Luftangriffs im 2. Weltkrieg schwer beschädigt worden war, dauerte es bis 1966, als der Bayerische Ministerrat den Wiederaufbau der Ruhmeshalle und die Fortführung der Ehrung bayerischer Persönlichkeiten durch Aufstellung ihrer Büste beschloss. Die Sanierung war 1972 abgeschlossen und die Ruhmeshalle konnte am 26. Oktober 1972 mit den erhaltenen und sanierten Büsten wieder eröffnet werden. Für die Auswahl der Persönlichkeiten ist der Bayerische Ministerrat zuständig, der durch eine Expertenkommission aus dem Bayerischen Kultusministerium, der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, der Bayerischen Schlösserverwaltung, dem Haus der Bayerischen Geschichte, dem Bayerischen Finanzministerium und der LMU beraten wird.

Die Bavaria

BavariaDie Kolossalstatue der Bavaria bildet eine künstlerische Einheit mit der Ruhmeshalle im Hintergrund. Die ersten Skizzen zur Bavaria hatte von Klenze schon in seinem Entwurf des gesamten Ensembles nach dem Vorbild alter Kolossalstatuen der Antike angefertigt. Vorbilder waren der Koloss von Rhodos, die Zeusstatue des Phidias und besonders die Athena Parthenos. Es ist sogar theoretisch möglich, dass ein Teil der Bronze für die Bavaria einst Bestandteil des Koloss von Rhodos war. Nachdem von Klenze den Zuschlag zur Errichtung des Ensembles bestehend aus Ruhmeshalle und Bavaria erhalten hatte, fertigte er weitere Skizzen nach griechischem Vorbild an.

Da die Statue nach den Wünschen ihrer Bauherren in Bronze gegossen werden sollte, bezog er den Bildhauer Ludwig Schwanthaler, den Erzgießer Johann Baptist Stiglmaier sowie dessen Neffen Ferdinand von Miller in die weitere Gestaltung und Herstellung der Bavaria-Statue mit ein. Während sich Schwanthaler mit seinen ersten Entwürfen noch an das antike Vorbild im Sinne von Klenze hielt, verlieh er der Statue im weiteren Verlauf seiner Entwürfe zunehmend eine „germanische“ Erscheinung mit typisch „deutschem“ Charakter. Den Kopf und die erhobene Hand zierte er mit einem Eichenkranz und an ihrer Seite erschien das gezogene Schwert als Zeichen ihrer Wehrhaftigkeit. Zu ihren Füßen platzierte Schwanthaler einen Löwen, die schon immer als Wappentier der Wittelsbacher fungierten.

Ruhmeshalle-Bavaria

Die Anfertigung der endgültigen Entwürfe für die Bavaria-Statue erfolgte in den Jahren 1839 bis 1843. Schwanthaler erlebte jedoch den Beginn der Gießerei nicht mehr, weil er kurz vorher im April 1844 noch verstorben ist. Als erstes wurde im September 1844 der Kopf der Bavaria gegossen, im Januar und März 1845 folgten Arme, am 11. Oktober 1845 das Bruststück. Der letzte große Guss für das Unterteil fand am 1. Dezember 1849 statt. Die Aufstellung und Enthüllung der Bavaria erfolgte während des Oktoberfests im Jahre 1850. Die Kosten für die Herstellung der Statue bezahlte Ludwig nach seiner Abdankung als König von Bayern am 20. März 1848 größtenteils aus privaten Mitteln. Eine Besonderheit der Bavaria ist die Wendeltreppe in ihrem Inneren, auf der man bis in ihren Kopf hinaufsteigen kann, um von dort einen unvergleichlichen Blick auf das Oktoberfest zu genießen.

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