Münchner Starkbier

Münchner Starkbier ist vor allem während der Fastenzeit im Anschluss an die Faschingszeit gefragt, wenn die Münchner Brauereien ein saisonales Starkbier anbieten, das in den Münchner Wirtshäusern ausgeschenkt wird, begleitet von besonderen Starkbierfesten.

Bruder Barnabas und die Starkbierzeit

paulaner_300Offiziell wird in München seit 1780 alljährlich im Frühjahr nach dem Ende der Faschingszeit die Starkbierzeit eingeläutet, um wie anno dazumal die Fastenzeit etwas erträglicher zu machen. Dann beginnt die malzige Zeit der Starkbiere, die von den Münchner Brauereien gebraut werden, die saisonal nahezu alle ein Starkbier im Sortiment führen. Begründer dieser Tradition war Bruder Barnabas, der als Braumeister im Kloster des Paulanerordens alljährlich am 2. April den bayerischen Kurfürsten Karl Theodor zum Anstich des ersten Starkbiers einlud und ihm den ersten Bierkrug mit feinstem Doppelbock ausschenkte. So wurde im Jahre 1780 das offizielle Schankrecht der Paulaner in München geboren.

Paulaner Salvator

Die Geschichte des Salvators reicht jedoch viel weiter zurück und begann vermutlich bereits im Jahre 1630. Während der Gegenreformation zu Zeiten des bayerischen Kurfürsten Maximilian I. gründeten Mönche des Paulanerordens im Jahre 1627 das Kloster Neudegg ob der Au nahe München. Den Mönchen waren strenge Fastenregeln auferlegt, insbesondere während der Fastenzeit bis Ostern. Nur flüssige Nahrung war erlaubt. Schon damals erfanden die Mönche aus dem warmen Italien mehr oder weniger notgedrungen ein Bier, das stark und kalorienreich genug sein musste, um die kühle Jahreszeit der Enthaltsamkeit bis Ostern überbrücken zu können. Vor allem den Mönchen aus Italien fiel die Einhaltung dieser Fastenregel während des ausklingenden Winters in München schwer. Obwohl das Kloster außerhalb der Stadt damals gar kein offizielles Braurecht besaß, war der klösterliche Doppelbock zur Fastenzeit ein Renner. Immer mehr Münchner Bürger pilgerten zum Kloster vor den Toren der Stadt, um sich dort den einen oder anderen Salvator zu gönnen. Aus der ursprünglichen Bezeichnung „Sankt Vater“ machte der Volksmund den Namen Salvator.

Triumphator, Maximator, Animator

Als ab 1840 auch andere Münchner Brauereien begannen, Doppelbockbier unter dem Namen Salvator zu brauen und zu verkaufen, klagte Zacherl dagegen. Da Zacherl vor Gericht Recht bekam, mussten die anderen Münchner Brauereien ihren Doppelbock umbenennen, wobei die Nachsilbe -ator in der Regel beibehalten wurde.

Brauereien und Wirtshäuser mit Starkbier

Traditionell beginnt die Starkbierzeit in München im Löwenbräu-Keller, wo der Löwenbräu Triumphator ausgeschenkt wird. Es folgt die Augustiner Brauerei mit dem Maximator im Alten Lagerkeller, das ungefähr bis Ende März ausgeschenkt wird. Das Highlight der Münchner Starkbierzeit ist die Salvatorprobe und dem Politiker Derbleck`n auf dem Nockherberg., gefolgt von der Starkbierzeit bei Paulaner auf dem Nockherberg. Nicht ganz so bekannt und legendär, aber ebenfalls ein Schmankerl ist das Starkbier der Perlacher Forschungsbrauerei, wo man den wohl stärksten Doppelbock St. Jakobus genießen kann. Doch Vorsicht, 19% Stammwürze und 7,5 bis 8% Alkohol hinterlassen ihre Spuren. Den Abschluß der Starkbierzeit in München bildet das Hofbräuhaus, wo man ab April den Maibock erhält.

Aviator, Ritterbock und Giesinger Sternhagel

Empfehlenswert ist auch das Starkbier im Airbräu am Münchner Flughafen. Hier in der Flughafenbrauerei wird bis zum Karfreitag der Aviator ausgeschenkt, wobei die ersten 100 Liter kostenlos verteilt werden. Wer den weltbesten Doppelbock mal kosten will, muss nach Kaltenberg zur König Ludwig Schloßbrauerei fahren und sich in der Ritterschwemme einen Ritterbock bestellen. Nach wie vor ein Geheimtipp aus erster Hand ist jedoch das Giesinger Sternhagel, das in der noch recht jungen Brauerei Giesinger Bräu gebraut wird. Der Giesinger “Weizen-Triple-Bock” wird mit einer belgischen Trappistenhefe gebraut und erklimmt so deutliche höhere Alkoholstufen als die anderen Starkbiere der Münchner Brauereien. Und nichtsdestotrotz entfaltet das Giesinger Sternhagel ein erstaunlich fruchtiges Aroma, wodurch das Starkbier extrem süffig wird. Der Preis einer 0,7 Liter Flasche ist jedoch genauso abenteuerlich wie das Bier selbst.


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