Bier-Spezialitäten aus Bayern

Bier spielte schon immer eine besondere Rolle in der Geschichte Bayerns und so konnten sich in den einzelnen Regionen des Freistaats Bayern eigenständige und besondere Bier-Spezialitäten entwickeln, von denen einige sogar das Label „geschützte geographische Angabe“ (g.g.A.) führen dürfen.

Biermarken aus Bayern

Bier und Markenrecht

oktoberfestbierSchon vor mehr als 20 Jahren hatte die Europäische Union zum Schutz ihrer Traditionen und der regionalen Spezialitäten ein System geschaffen, durch das geographische Herkunfts- und Ursprungsbezeichnungen traditioneller Spezialitäten unter einen umfassenden Schutz gestellt wurden. Das Bundesland Bayern stellte sich schnell an die Spitze derer, die die Bedeutung dieses Schutzsystems erkannten, inbesondere der Bayerische Brauerbund. Der Schutz und die Förderung der Bayerischen Spezialitäten gehören inzwischen sogar zu den Leitlinien bayerischer Politik. Schon 1993 meldete der Bayerischer Brauerbund die Bezeichnung „Bayerisches Bier“ als „geschützte geographische Angabe“ (g.g.A.) an. Es dauerte jedoch bis 2001, dass der Ministerrat der EU einer Eintragung der Bezeichnung „Bayerisches Bier“ als g.g.A. zustimmte. Im Jahre 2009 bestätigte der Europäische Gerichtshof (EuGH) mit seinem Urteil vom 2.07.2009 diesen Schutz der Bezeichnung „Bayerisches Bier“ als geographische Angabe. Hintergrund der Entscheidung des EuGH war eine Auseinandersetzung des Bayerischen Brauerbunds mit der niederländischen Brauerei BAVARIA, die ihre Biere seit 1925 unter dieser Marke vertreibt.

Geographische Herkunfts- und Ursprungsbezeichnungen

Neben der Bezeichnung „Bayerisches Bier“ gibt es jedoch noch einige andere geographische Herkunfts- und Ursprungsbezeichnungen regionaler Bierspezialitäten, die teilweise weit über die entsprechende Region hinaus Bekanntheit und Beliebtheit erlangt haben, darunter z.B.

Münchner BierDamit ein Bier in Bayern überhaupt als Spezialität anerkannt wird, muss es zunächst den Anforderungen des Bayerischen Reinheitsgebots genügen und zudem einer sortenbezogenen, bei der EU hinterlegten Spezifikation entsprechen. Auch bayerische Brauereien müssen sich einem neutralen Zertifizierungsverfahren unterziehen, sofern sie ihre Produkte unter der Bezeichnung „Bayerisches Bier“ oder einer anderen geschützten geographischen Herkunfts- und Ursprungsbezeichnung vertreiben wollen. Es ist also nicht ausreichend, dass eben jenes Bier in Bayern gebraut wurde. Neben der Bezeichnung „Bayerisches Bier“ dürfte die geographische Herkunfts- und Ursprungsbezeichnung „Münchner Bier“ ebenso bekannt sein. Der Begriff „Münchner Bier“ umfasst alle Weizenbiere, Starkbiere, Märzen und Pils, die in München gebraut werden. Berühmte Münchner Biere sind beispielsweise der Paulaner Salvator, die Oktoberfestbiere der großen Münchner Brauereien, das Münchner Hell von Spaten oder der süffige Augustiner Edelstoff.

Augustiner Edelstoff auf dem Oktoberfest

Weitere geschützte geographische Herkunfts- und Ursprungsbezeichnungen im Bereich der bayerischen Biere sind die folgenden regionalen Bierspezialitäten:

  • Hofer Bier – Bier, das in der Region rund um die Stadt Hof gebraut wurde;
  • Kulmbacher Bier – dunkle Biere aus Kulmbach aus stark abgedarrtem Malz und wenig Hopfen, eher süßlich-malzig und mit wenig Alkohol;
  • Mainfranken Bier – Biere verschiedener Biersorten aus dem Regierungsbezirk Unterfranken, der auch als Mainfranken bezeichnet wird;
  • Reuther Bier – regionale Spezialitäten aus der nördlichen Oberpfalz, insbesondere Lagerbier, Schloß-Pils, Weißbier und Spezial.

Ungeschützte Bier-Spezialitäten aus Bayern

Daneben gibt es noch etliche andere Bier-Spezialitäten aus Bayern, die es jedoch noch nicht in die Liste der geschützten geographischen Herkunfts- und Ursprungsbezeichnungen aus Bayern aufgenommen wurden:

  • Bamberger Rauchbier – Biere verschiedener Sorten, die unter Verwendung von Rauchmalz in Bamberger Brauereien gebraut werden und ein sehr individuelles Raucharoma besitzen;
  • Bayerische Starkbiere – Starkbiere, die in bayerischen Brauereien unter Einhaltung des Reinheitsgebots gebraut werden und zur Starkbierzeit bzw. Fastenzeit in Bayern ausgeschenkt werden;
  • Bayerisches Weißbier – Obergärige Weizenbiere, die mindestens zur Hälfte aus Weizenmalz hergestellt sein müssen und in bayerischen Brauereien gem. bayerischem Reinheitsgebot gebraut wurden;
  • Zoigl-Bier – Untergäriges Bier, das nach alter Tradition in sog. Kommunbrauhäusern oder privaten Brauereien in der Oberpfalz gebraut wird und in privaten Zoiglstuben zusammen mit einer Brotzeit ausgeschenkt wird.

Das sind jedoch nur einige Beispiele für die besonderen Spezialitäten, die Bayern und die bayerischen Brauereien zu bieten haben. In diesem Zusammenhang sei daher noch erwähnt, dass die rund 600 Brauereien in Bayern mehr als 4.000 verschiedene Biere brauen, die in rund 40 Biersorten eingeteilt werden können. Und diese 40 Biersorten unterscheiden sich je nach Region und verwendetem Wasser, Hopfen und Malz nochmals ganz erheblich. Doch egal um welche Biersorte es sich handelt, am besten schmeckt es immer in einem typisch bayerischen Biergarten.


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