Bayerisches Bier

Kaum etwas anderes ist so typisch für Bayern wie bayerisches Bier. In Bayern gehört Bier nicht nur zum Alltag, sondern spielt auch eine wichtige historische und wirtschaftliche Rolle.

Bierland Bayern  Geschichte zum bayerischen Bier  Bayerisches Reinheitsgebot  Weißbier

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In Bayern existiert eine jahrhundertealte Brautradition, die exzellente Biersorten aus Wasser, Hopfen und Malz hervorgebracht hat. Der Begriff „Bayerisches Bier“ stellt in der Europäischen Union eine geschützte geographische Angabe dar, so dass Bier nur dann als bayerisches Bier bezeichnet werden darf, wenn es auch in Bayern und getreu dem Bayerisches Reinheitsgebot hergestellt wurde, also nach typisch bayerischer Tradition.

Bierland Bayern

In kaum einem anderen Land dieser Welt nimmt Bier eine derart wichtige Stellung im Alltag ein wie in Bayern. 1919 machten die Bayern die Weitergeltung des Bayerischen Reinheitsgebots zur Bedingung für die Zustimmung zur Weimarer Verfassung. Bayerisches Bier ist für Bayern sogar so wichtig, dass in Bayern seit 17. November 2009 regelmäßig eine Bayerische Bierkönigin gewählt wird. In Bayern befinden sich weltweit die

Bayern ist führend bei der Ausbildung der Braumeister, beim Anbau für Braugerste und weltweit größter Lieferant von Hopfen. Oberfranken ist weltweit die Region mit der höchsten Brauereidichte und die bayerische Stadt Bamberg gilt als Hauptstadt des Bieres schlechthin. Ein Braumeister aus Franken kämpft mit einer schottischen Brauerei um den Titel „Stärkstes Bier der Welt“ und im Brauereidorf Nesselwang kann man sogar im Bier baden. In der bayerischen Landeshauptstadt findet einmal im Jahr das größte Bierfest der Welt statt: das Oktoberfest in München.

Bayerisches Bier und seine Geschichte

Bayerisches Bier aus WeihenstephanLaut Legende beginnt die Geschichte des bayerischen Brauwesens im Jahre 725 in Weihenstephan. Damals gründete der heilige Korbinian das Benediktinerkloster Weihenstephan und begann dort zusammen mit seinen Gefährten mit Hopfen und Malz Bier zu brauen. Offiziell wird das Jahr 1040 als Gründungsdatum der ersten bayerischen Klosterbrauerei in Weihenstephan genannt. Nur rund 100 Jahre später siedelten die ersten Klosterorden in München an und gründeten dort ebenfalls Klöster, in denen Bier gebraut wurde. Jeder kennt die Marken Franziskaner, Augustiner und Paulaner, die aus dieser Zeit stammen. Ein Relikt aus der Geschichte des bayerischen Brauwesens ist das typische Märzen, das seine Entstehung der bayerischen Brauordnung von 1539 zu verdanken hat. Darin war bestimmt, dass in Bayern nur zwischen dem Tag des St. Michael (29. September) und dem Tag des St. Georg (23. April) gebraut werden darf. Damals standen noch keine Kühlanlagen zur Verfügung, sodass die Brauereien noch auf natürliche Kühlmittel wie Eis angewiesen waren. Das in dieser Zeit hergestellte Bier wurde in den kühlen Felsenkellern gelagert, die im März nochmals mit natürlichem Eis aus  Teichen oder anderen zugefroreren Gewässern bestückt wurden. Auf den Bierfesten im Oktober wurden die letzten Bestände dieses sog. Märzen ausgeschenkt.

Bayerisches Reinheitsgebot

Das Bayerische Reinheitsgebot aus dem Jahr 1516 stellt das älteste bis heute geltende Lebensmittelgesetz dar. Im Jahre 1919 machten die Bayern die Weitergeltung des Bayerischen Reinheitsgebots sogar zur Bedingung für die Zustimmung zur Weimarer Verfassung. Herzog Wilhelm IV von Bayern war es, der damals per Gesetz anordnete, dass beim Bierbrauen nur Gerste, Hopfen und Wasser verwendet werden darf. Bis dahin war das Brauen von Bier auf Grundlage der Brauverfassung von 1372 weitestgehend jedem selbst überlassen. Bis zum Erlass des Bayerischen Reinheitsgebots in 1516 hantierten die Brauer mit allerlei Kräutern und Stoffen, um die Haltbarkeit des Bieres zu erhöhen, darunter auch giftige Kräuter wie Tollkirsche oder Bilsenkraut. Ein Vorreiter des bayerischen Reinheitsgebot war damals Landshut, wo man schon 1486 den gesamte Brauvorgang recht detailliert regelte bis hin zum Verbot der Verwendung schädlicher Substanzen. Herzog Albrecht IV der Weiße übernahm am 30. November 1487 die Regelungen aus Landshut für München und erließ das Münchner Reinheitsgebot, das heute noch gem. den Betriebsvorschriften für das Oktoberfest Geltung besitzt.

“Wir verordnen, setzen und wollen mit dem Rat unserer Landschaft, daß forthin überall im Fürstentum Bayern sowohl auf dem Lande wie auch in unseren Städten und Märkten, die keine besondere Ordnung dafür haben, von Michaeli bis Georgi ein Maß (bayerische = 1,069 Liter) oder ein Kopf (halbkugelförmiges Geschirr für Flüssigkeiten = nicht ganz eine Maß) Bier für nicht mehr als einen Pfennig Münchener Währung und von Georgi bis Michaeli die Maß für nicht mehr als zwei Pfennig derselben Währung, der Kopf für nicht mehr als drei Heller (Heller = gewöhnlich ein halber Pfennig) bei Androhung unten angeführter Strafe gegeben und ausgeschenkt werden soll. Wo aber einer nicht Märzen-, sondern anderes Bier brauen oder sonstwie haben würde, soll er es keineswegs höher als um einen Pfennig die Maß ausschenken und verkaufen. Ganz besonders wollen wir, daß forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen. Wer diese unsere Anordnung wissentlich übertritt und nicht einhält, dem soll von seiner Gerichtsobrigkeit zur Strafe dieses Faß Bier, so oft es vorkommt, unnachsichtlich weggenommen werden. Wo jedoch ein Gauwirt von einem Bierbräu in unseren Städten, Märkten oder auf dem Lande einen, zwei oder drei Eimer (= enthält 60 Maß) Bier kauft und wieder ausschenkt an das gemeine Bauernvolk, soll ihm allein und sonst niemandem erlaubt und unverboten sein, die Maß oder den Kopf Bier um einen Heller teurer als oben vorgeschrieben ist, zu geben und auszuschenken.”

Die Brauereibranche ist stolz auf die älteste lebensmittelrechtliche Vorschrift der Welt, aber es gibt auch Stimmen, die am Reinheitsgebot Kritik üben, weil es die Kreativität der Brauer ohne Not zu sehr einschränken würde. Die seit Jahren sinkende Bierabsatz in Deutschland tut sein übriges.

Bayerisches Weißbier

Hofbräuhaus am PlatzlEine typisch bayerische Besonderheit ist das Weißbier, ein obergäriges Bier aus Gerste und Weizen, das in Bayern erstmals 1548 – trotz des bestehenden Brauverbots – von Freiherr von Degenberg gebraut wurde. Dieses sog. exklusive Weißbierregal der Degenberger fiel nach dem Tod des letzten Nachfahren in die Hände des bayerischen Herzogs Maximilian I, der das faktische Weißbiermonopol in Bayern ausnutzte und rasch in ganz Bayern mehrere Weiße Brauhäuser errichten ließ, darunter auch das berühmte Hofbräuhaus in München.

Das Weißbierregal sicherte den bayerischen Herrschern der Wittelsbacher große Teile der Staatseinnahmen, zumal die Wirtshäuser in ganz Bayern verpflichtet waren, das Wittelsbacher Weißbier auszuschenken. Erst nach stetigem Rückgang des Weißbier-Konsums in Bayern im 18. Jahrhundert hob Kurfürst Karl Theodor am 6. August 1798 das bayerische Weißbier-Monopol auf gewährte – gegen entsprechendes Entgelt – jedermann das sog. Weißbierregal. Einer der berühmtesten Braumeister aus dieser Zeit ist Georg Schneider, der 1872 das Braurecht des Münchner Hofbräuhauses erwarb und seine eigene Weißbierbrauerei in München gründete. Eine Schneider Weiße kann man heute noch im Münchner Stammhaus im Tal genießen, am besten zusammen mit einem traditionellen Weißwurstfrühstück.

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